Reise zur Latvian National Ballet Company in Riga

Ballettfreunde reisen nach Lettland

Samstag, 28.03.2026
Ankunft am Flughafen Düsseldorf. Teils verschlafen, teils plaudernd stehen die Grüppchen zusammen. Online eingecheckt, Kofferbanderole selbst gedruckt, Koffer selbst aufgegeben. Was man trotz der Jahre noch alles lernt. Eva und Oliver verteilen munter die von ihnen gestalteten Reiseunterlagen. Klasse. Die Stimmung wird heiter und gelassen, wohl wissend, dass die Reise von den „Königsfelds“ wieder mit Liebe perfekt geplant wurde.

Ankunft in Riga. Hurra, alle Koffer sind da - und Hunger. Ja, die Markthallen rufen. Die freundliche Reiseleiterin unterhält uns plaudernd auf der Fahrt ins Hotel. Koffer deponieren und weiter geht’s im kühlen Sonnenschein zu den Markthallen gegenüber. Was man aus alten Zeppelin-Luftschiffhallen aus der Zeit vor 1914 nicht alles gestalten kann. Unter dem hohen Tonnendach stehen die lettischen Köstlichkeiten an langen Tischen bereit. Fisch in allen geräucherten oder eingelegten Variationen, Kohl in kräftigen Gelb- und Rottönen, leckeres fettes Schweinefleisch, Käse, dunkles Brot und Kwas, das niedrigprozentige Bier aus vergorenem Brot. Alles, was das Herz begehrt, köstlich. Ein kurzer Rundgang durch die mit einheimischen und internationalen Leckereien gefüllte Halle; eine von fünf, die nach dem 1. Weltkrieg den schönsten Markt Europas bildeten.

Der Reiseleiterin folgend, spazieren wir durch die schöne Altstadt. Jugendstil wechselt mit Mittelalter und Gründerzeit und säumt die verwinkelten unebenen Pflasterstraßen. Dom, der älteste Sakralbau des Baltikums, davor die Bremer Stadtmusikanten, Gildehaus- und Speicherhäuser. Die 3 Brüder; eng stehende Handwerkerhäuser aus der Zeit vom Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert. Das Katzenhaus, mit dessen Bau ein reicher lettischer Kaufmann der Rigaer-Gilde seine Verachtung aussprach, die ihm die Aufnahme verwehrte. Er baute ein Haus gegenüber dem Gildehaus und positionierte Katzenfiguren auf dem Dach so, dass sie ihr Hinterteil mit erhobenem Schwanz gegen das Gildehaus recken. Ach ja, nicht zu vergessen die Schweizer Botschaft, von deren Eingangsfries ein Putenköpfchen stark an Frau Merkel erinnert. Beeindruckend sind die herausgeputzten Ensembles aus verschiedenen Epochen.

Kurze Auffrischungspause im Hotel und - wieder vorbei an einigen Highlights der Altstadt - ins Restaurant Rozengrals. Am Eingang sitzt eine finster blickende Gestalt in einem riesigen Gewand. Das sieht nach Räuberhöhle aus. Eva vertrauend, steigen wir vorsichtig die steile, schwer zu gehende Wendeltreppe hinab in die Höhle. Diese entpuppt sich als wunderschönes weitläufiges Kellergewölbe, stimmungsvoll düster durch Kerzen beleuchtet. Mittelalterlich gekleidete, freundliche Mädchen und Jungs empfangen und geleiten uns zu langen blanken Holztischen, die eingedeckt sind mit Salaten und Brot als Starter, gefolgt von einer Fleisch-Trilogie mit Gemüse und Nachtisch. Lecker? Erstmal mit der Taschenlampe nachschauen, was da serviert wird. Sieht vertrauenswürdig aus, also kann´s losgehen. So wurde mit Bier- und Weinbegleitung fleißig geschmaust und mit steigendem Geräuschpegel parliert, bis es Zeit fürs Bett wurde, in dem man vom schönen Tag träumend bald entschlummerte.

Sonntag, 29.03.2026
Alle munter, vom gut sortierten Frühstücksbuffet gesättigt, pünktlich in der Lobby und dann mit dem Bus stadtauswärts. Die Altstadt herausgeputzt, der Jugendstil fein herausgearbeitet, doch an der Ausfallstraße viele Häuser so unrenoviert und grau wie früher. Zwischen der Bebauung gibt es noch einige der typischen Holzwohnhäuser, die die Wirren der Kriege überlebt haben. Am Waldparkplatz angekommen: ethnographisches Freilichtmuseum, die Holzhäuser eingebettet in die leicht wellige und vom lichten Kiefernwald bedeckte Landschaft am Kizeres See - wunderschön. Wandern auf weichem Kiefernnadelteppich. Holzhäusergruppen laden zum Verweilen und zu Entdeckungen ein, Spielplätze zur sportlichen Betätigung.

Ein Graubärtiger in feiner Tracht sitzt stolz lächelnd in seiner guten Stube am großen Esstisch und begrüßt stumm die Besucher. Ein verwunschenes, moosbedecktes Häuschen am zugefrorenen Teich unterhalb einer Windmühle. Am kleinen Hügel gegenüber eine Holzkirche mit wunderschöner Deckenbemalung. Engelscharen fliegen fröhlich über uns. Altar, Predigtkanzel, prachtvoll geschnitzt.

Es wird frisch und das warme Restaurant ruft mit Tee, Kaffee und sonstigen Leckereien. Nahtlos geht’s hinüber in den festlich gedeckten Speisesaal. Dunkles Brot mit verschiedenen leckeren Aufstrichen, Wasser in großen Krügen angenehm parfümiert, danach riesige Schüsseln mit dampfender Sauerkrautsuppe, gebackenen Kartoffeln und reichlich Sauerrahm. Köstlich. Es folgen quarkgefüllte Täschchen in Vanillequarksoße. Wunderbar. Alles flott serviert und wortreich präsentiert von zwei netten Damen. Die eine schlank und groß, die andere etwas draller. Vielen herzlichen Dank. Dann schaukelt uns der Bus Richtung Mittagsschlaf.

Für einige geht´s gleich weiter. Sie steigen an der goldgeschmückten griechisch-orthodoxen Kirche aus, für andere und uns gings vorbei an der Freiheitsstatue, die die 3 Teile Lettlands symbolisiert, zur Endstation Hotel.

Mittagsschlaf, Wecker, Aufhübschen und in gespannter Erwartung durch die mit Abendbummlern gefüllten, beleuchteten Straßen zum nahen Opernhaus. Grüne Seidentapeten, goldgrünverzierter Stuck, samtrotbezogene Einzelbestuhlung und ein rotsamtener Bühnenvorhang mit breitem goldenen Rahmen verströmen den Duft einer vergangenen goldenen Epoche. Ballettvorstellung: Don Quixote, Musik des österreichisch-ungarischen Komponisten Minkus und Choreografie von Petitpas. Vorhang auf, wir sind im Spanien vergangener Zeiten und Don Quixote, ein den Ritterromanen Verfallener und aus der Zeit Gefallener, macht sich auf, die Hand seiner Angebeteten zu gewinnen.

Geschmack ist Ansichtssache. Darüber kann man nicht streiten. Die einen begeistert, die anderen weniger. Wir beide haben uns auf die Choreographie eingelassen und werden belohnt durch ein Feuerwerk von farbenprächtigen Gewändern, wirbelnden Soli, Pas de deux und Formationen des Corps de Ballet, lustig gewürzt durch die sehr unterschiedlichen, um die Hand der schönen Wirtstochter anhaltenden Brautbewerber.

In der Pause Sektempfang und köstliche Häppchen. Das Bühnengeschehen wird eifrig kommentiert. Der 2. Akt endet eher mystisch, düster wie bei Giselle, hier Dulcinea, die über die Bühne schwebt. Der letzte Akt startet mit einer farbenfrohen, blütengleichen Formation des Corps des Ballet und leitet über zu allen Formationen, die das klassische Ballett zu bieten hat. Begeisternd. Schließlich schafft Don Quixote doch seinen Sieg, die Bösen zu besänftigen und die Ehe der Liebenden zu stiften. Vorhang. Frenetischer Applaus. Besonders die in Lettland beliebten Solisten-Stars wurden ausgiebig gefeiert.

Es war erfrischend und schön, tat dem Gemüt gut und wir zwei gingen beschwingt zur Bühne. Empfang durch den Ballettdirektor, Tänzerinnen und Tänzer hautnah, Bühnenluft. Das Ballett Russische Schule. Aivars Leimanis, der künstlerische Direktor des National Ballet, hat sein 50-jähriges Jubiläum. Hat 17 Jahre als Tänzer und 33 Jahre als Ballettdirektor gewirkt. Unsere Hochachtung und Bravo.

In Grüppchen zum Hotel. Jede Gruppe hat ein Ziel. Die einen verschwinden im Sheraton, andere im Radisson und betrachten das nächtliche Riga von der Skybar aus, andere verteilen sich auf diverse Bars. Und wir? Wir stehen mit Marianne und Renata auf einmal allein in der Hotellobby. Damit es nicht zu trocken wird, kommt eine Flasche Rotwein dazu. Nach und nach zieht es die Ballettfreunde wieder Richtung Bett. Die Erinnerung an einen wunderbar gelungenen Ballettabend begleitet uns in den Schlaf.

Montag, 30.03.2026
Frühaufsteher sind gefragt. Bereits um 09:15 fährt der Bus ins Zentrum des Jugendstils. Wir fahren Sehenswürdigkeiten an, flott erklärt von unserer Stadtführerin. Zu Fuß geht’s weiter. Die Köpfe nach oben gewandt, die Blicke an den prächtigen Jugendstilfassaden entlang wandernd spazieren wir durch von Jugendstilbauten gesäumte Straßen. Wunderschöne Häuser mit unterschiedlich dekorierten Fassaden erstrahlen fein restauriert. Eine Freude fürs Auge.

Riga ist mit rund 800 Gebäuden das Zentrum des Jugendstils und Weltkulturerbe. Mit dem Bus an der Duna entlang. Am gegenüberliegenden Ufer sieht man die extravagante Nationalbibliothek. Blick auf die Skyline von Riga und Gruppenfoto. Die Markthallen und das russische Viertel (nachts nicht zu empfehlen) huschen vorbei. Die Bebauung ändert sich, russische Zeit, Gründerzeit, Moderne, Jugendstil und Holzhäuser wechseln sich ab. So schlagen wir den Bogen zurück zum Hotel.

Dazwischen ein Überraschungsgeschenk von Eva und Oliver: Taschengeld für alle aus dem Reiseüberschuss-Topf. Merci vielmals. Mittagspause bis 14:00. Ein kleiner Happen in der Sonne, die vom blauen Himmel strahlt, mit Blick auf das düster vor uns liegende Occupations-Museum. Also hinein in die wechselhafte Vergangenheit des lettischen Volks. Spielball zwischen russischen und deutschen Invasoren. Zarenreich, Russland, Stalin-Hitler-Pakt, Nazi-Deutschland. Vom Regen in die Traufe; wieder Russland und seit 1991 endlich unabhängig. Interessant, spannend und deprimierend zu sehen und zu hören, was Menschen mit Menschen machen. Aufatmen. Schön, unter blauem Himmel vor dem strahlenden Schwarzhäupterhaus zu stehen, in das einige neugierig streben. Andere genießen ihre Freizeit bis zum Treffen um 19:30 im Restaurant Pietergailis.

Das Schwarzhäupterhaus ist das Zentrum einer mittelalterlichen Handelsgilde, die die damals bekannte Welt mit ihren Schiffen bereiste. Sie nannten sich Schwarzhäupter nach ihrem Patron, dem heiligen Mauritius, dessen Symbol der Mohrenkopf ist. Ihr Haus, in dem Zaren und Könige empfangen wurden, wurde im 2. Weltkrieg zerstört und von der russischen Besatzungsmacht dem Erdboden gleichgemacht. Nach der Perestroika besann man sich auf die eigenen Traditionen und baute das Haus nach alten Plänen und Fotos wieder auf. Jetzt erstrahlt es in alter Pracht, auch als Zeichen des freiheitsliebenden lettischen Volkes. In Riga und Bremen existiert noch die Gilde der Schwarzhäupter, die nach den alten Regeln lebt.

Kleine Siesta und schnell ist der kurze Fußmarsch zum Restaurant Pietergalis bewältigt. Edel, gemütlich, freundlich, köstlich. Schnell wird es erfüllt vom fröhlichen Geplauder der Ballettfreunde, die das gesamte Restaurant geflutet haben. Man hat viel zu erzählen. Jeder berichtete über seine Erlebnisse und Eindrücke und das Geräuschniveau der durcheinander laufenden Gespräche ist entsprechend. Also ein rundum kommunikativ und kulinarisch gelungener Abend. Kompliment an Eva und Oliver zu dieser ausgezeichneten Restaurant- und Speisenauswahl.

Dienstag , 31.03.2026
Pünktlich am Bus und durch die Ausfallstraße zum Flughafen, begleitet von den letzten Erläuterungen unserer Reiseleiterin. Im Flug dösend die schönen Stunden Revue passieren lassen. Pünktliche Ankunft in Düsseldorf, etwas wehmütige Verabschiedung. Schön war es wieder zusammen. Tschüss bis zum nächsten Treffen in Balletthaus oder in der Oper.

Vor allem aber herzlichsten Dank an Eva Zamazalová und Oliver Königsfeld für die perfekte Planung, Organisation, Durchführung und die immer hilfsbereite und freundliche Betreuung. Es waren rundum gelungene Tage, die in guter Erinnerung bleiben.

Text: Eva und Rudolf Pospischil, Fotos: Rudolf Pospischil, Renate Weber-Zangrandi und Erich Kutzera