Kleine und große Tänzerinnen und Tänzer begeistern die Ballettfreunde

Die Ballettschule stellt sich vor

„Die Ballettschule an der Deutschen Oper am Rhein ist älter als der Verein der Ballettfreunde.“
Mit dieser Information überraschte Eva Zamazalová die Ballettfreunde, die am 8. Juni ins Balletthaus gekommen waren, um eine Vorstellung der Schule zu erleben.

Eva, die seit 2009 an der Ballettschule klassisches Ballett und Charaktertanz unterrichtet und seit der aktuellen Spielzeit die Schule auch leitet, ist allen Mitgliedern unseres Vereins bestens bekannt. Nicht nur als frühere Tänzerin in der Compagnie, sondern auch als Co-Organisatorin und Begleiterin unserer Ballettreisen.

Die Ballettschule, so erfuhren wir, wurde 1996 unter der Direktion von Youri Vámos etabliert, also vor nunmehr genau 30 Jahren. Derzeit werden 61 Kinder und Jugendliche im Alter von 6-16 Jahren in vier nach Alter bzw. Ausbildungsstand gestaffelten Gruppen ausgebildet. Der Schwerpunkt liegt auf klassisch akademischem Ballett und wird ergänzt um PBT (Progressing Ballet Technique), Charaktertanz und moderne Tanztechniken.

Die SchülerInnen sollen erste Tanzerfahrungen und eine solide Vorausbildung bekommen, die gleichzeitig eine Basis für die Aufnahme in eine der renommierten klassischen oder modernen Ballett- und Tanzakademien bietet.

Neben Eva sind Marlúcia do Amaral und Daniel Smith als Ausbilder tätig. Beide ebenfalls aus ihrer aktiven Zeit in der Compagnie den Ballettfreunden bekannt und verbunden.

Zunächst stellte Eva die jüngsten Ballettschulkinder vor, die spielerisch an Bewegungsabläufe gewöhnt werden. So zeigte die Gruppe mit Arm- und Beinbewegungen wie ein kleiner Baum zu einem mächtigen Stamm heranwächst, dann seine Blätter und Äste abwirft und schließlich zu einem alten schmächtigen Baum wird. Oder die Darstellung eines kleinen Wasserfalls, der „petite cascade“. Eine Einstudierung, mit der sie bald in der öffentlichen Aufführung der Ballettschule zu sehen sein werden.

Wie bei allen Klassen war auch bei den Jüngsten die Zahl der männlichen Probanden deutlich kleiner als die der weiblichen. 1 Junge (in Worten: ein) hüpfte fröhlich zwischen vielen Mädchen.

In der zweiten Gruppe der acht- bis zehnjährigen waren schon drei Jungs dabei, die später eine eigens von Eva für sie choreographierte Parodie auf Macho-Sporttypen zur Musik der Comedian Harmonists aufführen durften, während sich die Mädchen klassisch als Gruppe von „Schwänchen“ vorstellen konnten.

In der dritten Altersstufe der zehn- bis 13jährigen ging es dann schon sehr viel schwieriger an den Ballettstangen zur Sache oder – wie Eva kommandierte: „Schön zackig!“ Hier wurden die Übungen vorgeführt, die die TänzerInnen der Compagnie zu Beginn des Tages absolvieren müssen, also die klassischen Positionen und Bewegungen zum Aufwärmen und Dehnen der Muskulatur.
In der Schule dauert das Training an der Stange bis zu 45 Minuten. Für die Vorstellung wurde es auf wenige Minuten verkürzt.

Marlúcia zeigte dann ein ebenso temporeiches Training mit den SchülerInnen bis 16 Jahre. Hier ging es insbesondere um die Erfassung des (Bühnen-)Raums und die exakte Abfolge von Bewegungsabläufen in der Gruppe. Wie schafft man es, als Gruppe auf der Bühne eine Diagonale auch wirklich diagonal zu bilden? Gar nicht so einfach. Marlúcia korrigierte ebenso dynamisch wie motivierend.

Aus dem Ausbildungsprogramm „Charaktertanz“ legte dann eine von Evas Gruppen eine flotte Polka auf Parkett und abschließend zeigte Daniel Smith Proben aus seinem Training für den Modern Dance. Hier wurden von den Jugendlichen ganz andere Bewegungen verlangt als die des klassischen Balletts. Das Spektrum der Ballettschule ist also breit angelegt.

Wer sich die Arbeit von Eva und Daniel mit den BallettschülerInnen genauer ansehen will, kann auf der Homepage der Deutschen Oper am Rhein im Bereich „Ballettschule“ ein interessantes Video abrufen: Ballettschule.

Es war spannend zu sehen, wie die drei Ballettprofis ihr Können und ihre Erfahrung an die Kinder und Jugendlichen weitergaben.

Natürlich werden nur wenige der 61 SchülerInnen eine professionelle Ballettausbildung durchlaufen. Eva berichtete, dass sich zur Zeit sechs SchülerInnen der Düsseldorf Ballettschule in der professionellen Ausbildung z.B. an der Schule der Hamburger Staatsoper oder der Palucca Hochschule für Tanz in Dresden befinden. Daraus dürfe man aber nicht schließen, dass jeweils zehn Prozent der SchülerInnen eines Jahrgangs dieses Ziel erreichen kann. Die Zahl der Talente variiere jedes Jahr. Es gebe auch sehr talentierte SchülerInnen, die trotz ihrer Begabung nicht die Absicht hätten, Profitänzer zu werden.

Die Ballettfreunde bedankten sich bei den kleinen und großen Tänzerinnen und Tänzern mit reichlich Applaus. Für die kommenden Aufführungen der Ballettschule gibt es – wie in jedem Jahr - eine Spende der Ballettfreunde zur Deckung der Kosten.

Eva, Marlúcia und Daniel wurden von Renate Raeune und Liz Verhoeven mit Blumensträußen beschenkt (siehe oben) und außerdem erhielten sie für jedes Ballettkind eine mit Schleife versehene Tragetasche.

Text: Axel Weiss; Fotos: Daniel Senzek (3), Renate Weber-Zangrandi (2), Axel Weiss (1)