Der dunkle Turm im Reha-Raum

Spende der Ballettfreunde: Kraftfutter für die Compagnie

Ich bin allein mit ihnen im Raum. Sie stehen mir gegenüber. Im fahlen Licht glänzen der „Kämpfer“ und das „Raubtier“ bedrohlich in schwarzem Finish. Noch scheinen sie friedlich zu sein. Noch… Ich halte vorsichtige Distanz.

Die 34fach gelochten Uprights des „Kämpfers“, seine Höhe von 2,24m und seine Spring Loaded Pop Pin in 20mm Löchern geben ihm ein furchteinflößendes Aussehen. Ich spüre, dass seine Spotter Arms bis 350 kg belastbar sind. Ich muss unwillkürlich an die Romanserie „The dark tower“ von Stephen King denken. So oder so ähnlich muss der dunkle Turm auf die wirken, die sich ihm zu nähern versuchen.

Gelobt wird der „Kämpfer“ wegen seines „besonders langen Kabelwegs trotz kleinem Footprint“, dem „seidenweichen Lauf“ und seiner Langlebigkeit. Er besitzt eine „doppelte Pulverbeschichtung für den intensiven Farbeffekt“ und „dauerhaften Rostschutz“. Das klingt nach dem perfekten Gladiator.

Auch dem „Raubtier“ wird nachgesagt, dass es „extrem langlebig“, „hochformstabil“ mit „verwindungsfreiem Rahmen“ sei. Sein Polster besitzt eine Shore-A-Härte 48 und da gibt es schlicht „kein Durchsitzen“.
Ich bin beeindruckt von der Qualität des „verchromten Knurling-Griffs“, der vertikalen Lagerbarkeit der „attechment-ready Konstruktion“ mit - man lese und staune - „gerändeltem Frontpin“. Ich werde neidisch.

Und dann betreten sie den Raum - wie Masters of the Universe: Edvin Somai und Nelson López Garlo. Sie wollen mir zeigen, wie sie den „Kämpfer“ und das „Raubtier“ bezwingen. Mit bloßen Händen, mit der puren Kraft ihrer Muskeln.

Edvin, der schon aufgrund seiner Größe wie der perfekter Bezwinger wirkt, macht sich daran, eine Übung zu demonstrieren. Aus meinem Blickwinkel sieht es aus, als begebe er sich in ein wildes Geflecht von Stangen und Kabelzügen. Ist das nicht gefährlich?

Wechselt man den Blickwinkel – was immer wieder ratsam ist – entwirrt sich das Bild. Profan und bei Sonnenlicht betrachtet handelt es sich bei dem „Fighter“ um ein modulares All-in-one Trainingssystem; ein 4-Pfosten Power Rack mit Kabelzug-System.
Edvin zeigt eine erste Übung.

Und die zweite folgt sogleich:
Gewichtedrücken von der Hocke bis zum Stand.

Der „Predator“ ist die optional dazu bestellbare Hantelbank mit 44,5 kg Eigengewicht. Gewichtsblöcke bis 95 kg können auf jeder Seite des “Fighter“ angebracht und ohne oder mit Einsatz des „Predator“ gestemmt werden.

Nelson, dessen muskelgestählter Oberkörper gerade in den Boxszenen von „Endstation Sehnsucht“ auf der Bühne bewundert werden kann, demonstriert die Funktion des „Predator“ mit Hanteln von beachtlichem Gewicht (30 kg je Seite und 10 kg Hantelstange).

Die zwei individuell nutzbaren Kabelzugarme erlauben es, den „Fighter“ zu zweit zu bearbeiten für „vielseitige Kraft- und Functional-Trainings-Übungen“. So beschreibt es der Hersteller in schönstem Prospekt-Denglisch. Edvin und Nelson zeigen, wie es funktioniert. Sieht fast aus wie eine Choreographie.

Die Ballettfreunde haben die Anschaffung von „Fighter“ und „Predator“ durch eine Spende ermöglicht. Also Kraftfutter für die Compagnie geliefert.

Großen Dank an Edvin und Nelson sowie an Niklas Jendrics, dass sie sich die Zeit genommen haben, den Ballettfreunden den dunklen Turm im Reha-Raum zu zeigen und seine Bezwingung zu demonstrieren.
Viel Spaß beim weiteren Training.

Übrigens: wer jetzt Lust auf Kraftsport bekommen hat, kann „Fighter“ und „Predator“ für Zuhause bestellen. Sie werden per Spedition auf Palette geliefert. Man benötigt für den Aufbau nur ein Schraubenschlüsselset, eine zweite Person und drei Stunden Zeit. Die Bestelladresse reichen wir gerne an Interessenten weiter.

Text und Fotos: Axel Weiss