Jede neue Spielzeit beginnt für die Ballettfreunde mit der Vorstellung der neuen Tänzerinnen und Tänzer, die ihren Weg in unsere Compagnie gefunden haben. Und so stand am 9. September im sehr gut besuchten Studio 1 das jährliche „Welcome/Willkommen“ auf dem Programm, das für einen der Tänzer ein „Welcome back“ bedeutete.
Bridget Breiner und Raphaël Coumes-Marquet begrüßten die Ballettfreunde und stellten kurz das für die kommende Spielzeit geplante Programm vor. Einzelheiten finden sich wie immer auf der Homepage der Oper. Hier der Link zum Spielplan.
Julia Schinke und Juliane Schunke übernahmen sodann die Moderation der Gesprächsrunden mit den neun neu in die Compagnie gekommenen Tänzerinnen und Tänzer.

In der ersten Runde wurde zunächst Calogero „Calo“ Failla vorgestellt, für den es ein „Welcome back“ in Düsseldorf ist, weil er hier schon seit der Spielzeit 2019/2020 unter Martin Schläpfer engagiert war und dann mit Martin nach Wien wechselte.

Calo erzählte, dass er bereits am ersten Tag in Wien wusste, dass er wieder nach Düsseldorf zurück wollte. Wien sei „very different“ gewesen. Es sei zwar für ihn eine wichtige Erfahrung gewesen, dort zu tanzen, aber er habe das Gefühl sich in Düsseldorf künstlerisch besser entwickeln zu können.
Seine tänzerische Vita führte ihn von Rom (Teatro dell’Opera di Roma) nach Singapur (Singapore Ballet), ans Slowakische Nationaltheater in Bratislava, das Tiroler Landestheater Innsbruck, das Ballet Nice Méditerranée in Nizza und nach Düsseldorf und Wien. Parallel zu seiner tänzerischen Tätigkeit absolviert er derzeit ein Studium an der Palucca Hochschule Dresden im Bereich Probenleitung (Master Studiengang Dance Teacher).
„Wir Tänzer – ich eingeschlossen – beschweren uns eine Menge und verlangen viel. Ich kann nun aus einem anderen Blickwinkel sehen, wie anstrengend die Arbeit als Ballettmeister ist.“

Iris Davila kommt ursprünglich aus Puerto Rico, hat aber schon in San Francisco und beim Columbus BalletMet in Ohio getanzt. Obwohl sie erst vor einigen Tagen in Düsseldorf angekommen ist, kennt sie Deutschland von früheren Besuchen. Ihr Freund sei Deutscher, fügt sie hinzu. Düsseldorf habe viel Charme und sie freue sich auf die Arbeit in der Compagnie.
Sie malt und zeichnet zur Entspannung vom harten Job als Tänzerin und kocht gerne, was sie von ihrer puerto-ricanischen Großmutter gelernt hat. Pollo Guisado, eine Art Hähnchen-Eintopf, ist eine ihrer Lieblingsspeisen. Obwohl Iris betonte, dass sie auch gerne für mehrere Personen kocht, dürfte ein von ihr für alle Ballettfreunde zubereiteter Pollo Guisado nicht zu realisieren sein. Daher: Do it yourself. Wer das Rezept gerne hätte, kann hier fündig werden: Puerto Rican Chicken Stew (Englisch) oder hier: Pollo Guisado (Deutsch).

Rin Isomura stammt aus Japan. Nach seiner Ausbildung in Tokio verließ er mit 18 Jahren seine Heimat und setzte die Ausbildung in Kanada (Calgary) fort. Anschließend tanzte er in Belgien (Junior Ballet Antwerpen) und fünf Jahre war er beim National Theatre Brno in der Tschechischen Republik als Tänzer tätig. Die Tanzsprache von David Dawson mag er besonders und er hofft, in den kommenden Dawson-Aufführungen von „Grey Area“ eingesetzt zu werden. Eine Rolle, die er sehr gerne getanzt hat und noch einmal tanzen möchte, war Solor in „La Bayadère“.

Kilian Smith ist Ire, wurde aber in London geboren, wo er auch an der Royal Ballet School zum Tänzer ausgebildet wurde. Seine professionelle Karriere führte ihn zunächst an das National Ballet of Portugal in Lissabon, dann nach Warschau zum Polish National Ballet und in 2023 wechselte er zu Cathy Marston beim Ballett Zürich. Ihn habe die Zusammenarbeit mit Mats Ek bei „Carmen“ in Zürich besonders beeindruckt. Kilian hat zwar keine ausgesprochene Lieblingsrolle, aber als Ballettstudent hat ihn besonders „Dances at a Gathering“ von Jerome Robbins beeindruckt, die erste Choreographie für das New York City Ballet von Robbins aus dem Jahr 1969.
Anschließend ging es in Runde 2 der Vorstellung.

Marta Dias wurde in Portugal geboren und absolvierte ihre Tanzausbildung in Lissabon. Nach einem Engagement im Junior Ballet Antwerp wechselte sie in das Ballett der Opéra national du Rhin in Straßburg.

Marta liebt die Choreographien, die sie fordern, aus ihrer Komfortzone herausholen, und zwar unabhängig, ob das im Probestudio oder auf der Bühne geschieht. Ob Klassisch oder Zeitgenössisch, sie sucht Herausforderungen im Tanz. Ihr sehr temperamentvolles Wesen lässt auf eine starke Bühnenpräsenz schließen.

Nikolay Iossifov wuchs in Frankreich auf und studierte Tanz in Toulouse und Marseille, bevor er an die European School of Ballet in Amsterdam wechselte.
In der Spielzeit 2022/23 tanzte er beim Finnischen Nationalballett in Helsinki. Von 2023 bis 2025 war er Mitglied der Companhia Nacional de Bailado in Lissabon, Portugal.
Er schilderte, wie er ohne festes Engagement in den Jahren 2025 und 2026 als freischaffender Künstler in Lissabon und Paris versucht hat, sein Leben mit Projekten und Aktionen zu finanzieren. Tagsüber habe er trainiert, abends dann in einem Restaurant gearbeitet. In dieser Zeit habe er sich viel mit Gaga und Improvisationen beschäftigt. Es sei auf der einen Seite eine Zeit der totalen Freiheit für ihn gewesen, andererseits aber eine Zeit ohne tägliche Routinen und ohne Sicherheit, das Leben finanzieren zu können.

Yulian Botnarenko kommt aus Kanada und absolvierte seine Ausbildung an der Canada’s National Ballet School. Von 2011 bis 2017 war er Mitglied des Ballett Kiel. In der Spielzeit 2017/18 war er als Gasttänzer am Badischen Staatstheater Karlsruhe engagiert. Von 2018 bis 2019 gehörte er dem Tiroler Landestheater Innsbruck an. 2021 bis 2024 kehrte er an das Badische Staatstheater Karlsruhe zurück. Dort arbeitete er mit der Ballettdirektorin und Choreographin Bridget Breiner. In der vergangenen Spielzeit ist er schon mehrfach als Gasttänzer in Produktionen des Ballett am Rhein zu sehen gewesen.
Es sei körperlich und psychisch sehr schwierig, kurzfristig als Gasttänzer in einer Produktion einzuspringen, aber diese Erfahrungen hätten ihm viel Spaß bereit.

Der aus Rio de Janeiro/Brasilien, stammende Tänzer Lamin Pereira begann seine Ausbildung am Centro de Dança Rio und erhielt ein Stipendium für das Studium an der Jacqueline Kennedy Onassis School des American Ballet Theatre in New York.
Seine professionelle Karriere begann bei der Studio Company des Washington Ballet, anschließend tanzte er drei Spielzeiten beim Orlando Ballet. 2014 wechselte er zum Kansas City Ballet, wo er zum Lead Dancer befördert wurde. Nach Stationen in Moskau, Helsinki und der Semperoper in Dresden ist er nun in Düsseldorf engagiert.
Als Lamin noch in New York tanzte, zeigte ihm ein Freund auf Facebook ein Foto von Lilliana Hagermann, die in Orlando, Florida, engagiert war. Lamin bewarb sich dann bei der Compagnie in Orlando, bekam den Job, lernte Lilliana kennen und seit 16 Jahren leben und arbeiten sie zusammen und sind seit acht Jahren miteinander verheiratet.

Die in Italien geborene US-Amerikanerin Lilliana Hagerman erhielt erste Ballettstunden in der us-amerikanischen Provinz. Sie lernte Step- und Jazztanz, war als kleine „Ballerina“ in ihrer Umgebung bekannt und kam schließlich – auf Empfehlung ihrer Ausbilder – an Ballettsommerkurse in Orlando/Florida. Sie selbst sagt, sie sei die schlechteste Teilnehmerin gewesen, schaffte es aber schließlich, ins Orlando Ballett II und später ins Orlando Ballett I aufgenommen zu werden. Dann traf sie dort Lamin und zusammen wechselten sie später für acht Spielzeiten zum Kansas City Ballet. Auf der Suche nach neuen Erfahrungen kam der Sprung über den Atlantik nach Europa. Nach einen Aufenthalt in Moskau ging es zum Finnischen Nationalballett in Helsinki und nach Dresden an das Semperoper Ballett.

Neun spannende, sehr unterschiedliche TänzerInnen-Geschichten, die neugierig darauf machen, was uns diese Tänzerinnen und Tänzer nun auf den Düsseldorfer und Duisburger Bühnen vermitteln werden. Wie werden sie mit ihren individuellen Fähigkeiten die Compagnie bereichern?
Die Proben für die ersten Ballettaufführungen laufen bereits in den Studios. In Kürze werden die Besetzungen für die neuen und wiederaufgeführten Produktionen endgültig festgesetzt. Wir dürfen gespannt sein.
Dank an Julia Schinke und Juliane Schunke für die lebendige Moderation.
Im Anschluss an die Vorstellung gab es einen Umtrunk im Foyer. Alle neuen und einige „alte“ Compagniemitglieder, Bridget und Raphaël waren für Gespräche und Fragen anwesend. Dank auch dafür.
Text: Axel Weiss; Fotos: Renate Weber-Zangrandi, Erich Kutzera