Premiere, Ballettwerkstatt und eine Arbeitsprobe für die Ballettfreunde und Gäste

„Aurea“ von Goyo Montero

Unter dem verbindenden Titel „OrgelPassion“ werden zwei Uraufführungen und ein Ballettklassiker im Düsseldorfer Opernhaus auf die Bühne gebracht.

Die Premiere findet am 14. März 2026 um 19:30 Uhr statt. Aber schon am 10. März 2026 können Interessierte an der Ballettwerkstatt im Opernhaus teilnehmen, die um 17:30 Uhr beginnt. Der Eintritt ist frei– wie immer

Für den Ballettabend wirbt die Oper wie folgt in ihrer Pressemitteilung:

„Bach, Belton, Birchall und Poulenc: Die Begegnung von Tanz und Orgelkomposition bildet die künstlerische Klammer für das jüngste dreiteilige Ballettprogramm des Ballett am Rhein. Unter dem Titel „OrgelPassion“ vereint der Abend Arbeiten von Stina Quagebeur, Glen Tetley und Goyo Montero. Die zwei Neukreationen und ein Klassiker der jüngeren Tanzgeschichte werden durch das Ensemble des Ballett am Rhein interpretiert. Die Düsseldorfer Symphonikern spielen unter Leitung von Valtteri Rauhalammi.

Stina Quagebeur ist für Düsseldorf eine Neuentdeckung. Die gebürtige Belgierin ist als assoziierte Choreographin zurzeit am English National Ballet in London tätig und war als brillante Tänzerin unter anderem in Arbeiten von Akram Khan zu erleben. Für „Omelas“ ließ sich Quagebeur von einer der bekanntesten Kurzgeschichten der US-amerikanischen Autorin Ursula K. Le Guin inspirieren, begreift die Erzählung als Märchen, mythisch und über ihre Zeit hinausweisend. Als Handlungsballett angelegt und in Auseinandersetzung mit der neu geschaffenen Musik des britischen Komponisten Jeremy Birchall, nimmt „Omelas“ das Publikum mit auf eine Reise zu einer gesellschaftlichen Utopie vom bedingungslosen Glück.

Ausgangspunkt für den Triple Bill ist die Choreographie „Voluntaries“ von Glen Tetley aus dem Jahr 1973, die zum „Concerto für Orgel, Streicher und Pauke“ von Francis Poulenc entstand. Tetley gilt als Brückenbauer zwischen Ballett und Modern Dance und sein Werk als wegweisend für nachfolgende Generationen von Tanzschaffenden. Mit Bezug auf das musikalische „Voluntary“ als freie Instrumentalkomposition, meist für eine Orgel, und das lateinische „volāre“ (fliegen) erscheint „Voluntaries“ wie entgrenzt. Episoden schwebender Körperkonstellationen entfalten Sogwirkung, angetrieben von Poulencs Orgelmelodie und den Rhythmen der Pauke.“

Den Abschluss des Abends bildet die Uraufführung von „Aurea“ von Goyo Montero, der seit der Spielzeit 2025/2026 künstlerischer Leiter des Staatsballetts Hannover ist.

Die Ballettfreunde hatten am 18. Februar die Gelegenheit die choreographische Arbeit von Goyo Montero bei einer frühen Arbeitsprobe zu „Aurea“ im Studio 1 miterleben zu können. In dem der Probe anschließenden Gespräch mit Dramaturgin Juliane Schunke erläuterte er seine Arbeit.

Goyo Montero wurde 1975 in Madrid geboren und erhielt seine erste Ausbildung in Madrid. Er setzte seine Studien an der Schule des Ballet Nacional de Cuba fort. Bereits als 17jähriger begann er seine Tänzerlaufbahn beim English National Ballet. Es folgten Engagements an der Oper Leipzig, beim Hessischen Staatstheater Wiesbaden, am Königlichen Ballett von Flandern und an der Deutschen Oper Berlin. Von 2008 bis 2025 leitete er das Ballett des Staatstheaters Nürnberg.

Die Arbeitsprobe, an der die Ballettfreunde und die von Ballettdirektor Raphaël Coumes-Marquet eingeladenen Mitglieder des Deutsch-französischen Kreises als Zuschauer teilnehmen durften, war äußerst intensiv. Nicht nur für die Mitglieder der Compagnie, sondern auch für Goyo Montero, der ständig mitten im Geschehen war, wie ein Teil der Compagnie wirkte, kurze Anweisungen an die Tänzerinnen und Tänzer gab, seine Anweisungen körperlich umsetzte und so eine ungeheure Dynamik schuf. Er war ein „Antreiber“ im besten Sinne. Im Gespräch mit Juliane Schunke erklärte er seine Arbeitsweise damit, dass er nur dann unmittelbar spüre, welche Bewegungen funktionierten und welche nicht. Er könne dann das Leben, die Seele der Choreographie erfassen.

In der Arbeitsprobe sahen wir eine für die Compagnie noch neue Sequenz in einer zunächst chaotisch wirkenden Aufstellung. Mehrere Tänzerinnen und Tänzer schieben Eisenrahmen durch das Studio (die später auf der Bühne bewegliche Spiegel sein werden), andere bewegen sich darum herum, bilden Formationen, die beständig wechseln.

Anfangs sind auch die Tänzerinnen und Tänzer noch unsicher, wohin und wie sie sich bewegen sollen. Es gibt Rückfragen an den Choreographen. Goyo Montero tanzt vor, tanzt mit, dirigiert die Bewegungen der Formationen sprachlich und körperlich. Alles geschieht sehr schnell, sehr dynamisch. Für die Zuschauer ist es kaum nachvollziehbar und doch bildet sich schon bald aus dem anfänglichen Chaos eine klare choreographische Struktur.

Wie sucht Goyo Motero die Tänzerinnen und Tänzer aus der Compagnie für seine Choreographie aus? Er macht – wie alle Choreographen, die die Compagnie noch nicht kennen – eine Art Casting. Er schaut beim morgendlichen Training zu, denn Basis für die Auswahl ist die Technik der Tänzer. Dann bietet einen Workshop an, in dem er seine choreographische Arbeit und Technik vorstellt. Goyo sagt, dass er feststellen will, wer „Lust“ hat, mit ihm zu arbeiten, wer bereit ist, mit ihm eine professionelle Beziehung einzugehen, mit ihm gemeinsam zu kreieren. Im Ballettberuf verbringe man mehr Zeit mit den Kolleginnen und Kollegen als mit der Familie. Er suche deshalb nach der richtigen „Chemie“, nach einer gemeinsame Sprache mit denen, die mit ihm arbeiten. Man müsse die Zusammenarbeit leidenschaftlich lieben, um gemeinsam ein Stück zu bauen.

Goyo Montero im Gespräch mit Juliane Schunke

Goyo Montero schildert im Gespräch mit Juliane Schanke, dass er erst am Morgen mit der Arbeit an der Sequenz begonnen habe und nun versuche, seine diversen Ideen in eine Struktur zu bringen. Dabei spielt für ihn das Harmonieprinzip des Goldenen Schnitts eine große Rolle. Dies wird auch im Bühnenbild vom EstudiodeDos (Curt Allen Wilmer, Leticia Gañán) aufgenommen, die schon für den Ballettabend „Kaleidoskop“ eine Bühne gestaltet haben.

Und schließlich findet sich das strenge Harmonieprinzip auch in der „Passacaglia“ von Johann Sebastian Bach, die in einer Orchesterversion die musikalische Grundlage für Monteros Choreographie bildet.

„Aurea“, der Titel des Stücks, bezieht sich auf den Goldenen Schnitt, aber auch auf die Aura eines Menschen, also seine Spiritualität.

Weitere Aufführungstermine:

28.03 und 02.04. jeweils um 19:30 Uhr
05.04. um 18:30 Uhr
23.04., 25.04., 02.05., 28.05. und 06.06. jeweils um 19:30 Uhr

Text: Axel Weiss; Fotos: Daniel Senzek (4), Renate Weber-Zangrandi (1)