Orgelpassion

Entente cordiale

Wenn man einen französischen Ballettdirektor hat und wenn dieser Ballettdirektor auch noch seit kurzem Mitglied im deutsch-französischen Kreis ist, dann überrascht nicht die höfliche Anfrage, ob vielleicht Mitglieder des deutsch-französischen Kreises, so 25 ungefähr, plus ou moins, zu einer unserer Arbeitsprobe eingeladen werden könnten. Natürlich sah das Organisations-Team keine Probleme und sprach spontan eine herzliche Einladung für die Arbeitsprobe zu «Orgelpassion» am 18.Februar aus. Es war auch selbstverständlich, dass es dann im Anschluss einen Umtrunk geben sollte, zu denen man „Les Français“ (Arbeitstitel) gerne einladen wollte. Raphaël Coumes-Marquet gab die Einladung weiter und meldete sich direkt am folgenden Tag mit der Bitte, ob wir vielleicht auch 30 Personen empfangen könnten, denn es lägen bereits über 50 Anmeldungen vor, und es gäbe nun schon eine Warteliste. Eine kurze Besprechung per Mail führte zu dem einstimmigen Ergebnis, dass alle 50 angemeldeten Personen kommen sollten, denn das, so der Tenor, muss die wertgeschätzte deutsch-französische Freundschaft schon hergeben und überhaupt ist man dies unserem Ballettdirektor bien aimé auch schuldig! Man kam überein, bei Bedarf weitere Stuhlreihen im Studio 1 aufzustellen, für den Fall, dass auch viele Ballettfreunde kommen wollten.

So saßen am 18.3.2026 um 19.30 Uhr insgesamt knapp 130 interessierte Ballettfreunde und Mitglieder des Deutsch-französischen Kreises in Studio 1, mit einer Stuhlreihe mehr. Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Hausherrn Raphaël Coumes-Marquet, unserem Vorsitzenden Egon Schawe und der Présidente Ariane Bommers, begann eine hoch interessante Arbeitsprobe in großer Probenbesetzung zu einer der zwei Uraufführungen des dreiteiligen Ballettabends «Orgelpassion». Goyo Montero, der neue Ballettdirektor von Hannover und Choreograph des Stückes «Aurea», leitete die intensive Arbeitsprobe selbst.

Die Mitglieder des deutsch-französischen Kreises, die noch nie im Balletthaus waren, geschweige denn an einer Arbeitsprobe „en direct“ hatten teilnehmen können, waren sehr beeindruckt von der harten und unermüdlichen Arbeit, der konzentrierten Professionalität der Tänzerinnen und Tänzer, sowie der intensiven Choreographiearbeit Goyo Monteros inmitten der Compagnie. Das der Arbeitsprobe nachfolgende Gespräch, geführt von Dramaturgin Juliane Schunke, erläuterte den choreographischen Ansatz und erklärte noch einmal die besondere Arbeitsweise und künstlerische Intention des Choreographen.

Beim anschließenden Umtrunk konnten sich dann erste deutsch-französischen Kontakte anknüpfen und individuell und herzlich in angeregten Gesprächen vertiefen. Das Interesse des deutsch-französischen Kreises an der Arbeit des Balletts und der Ballettfreunde war so hoch, sodass man davon ausgehen darf, dass diese bislang einmalige «Entente cordiale» zu einem Jour Fixe im Balletthaus werden könnte.

Text: Renate Raeune. Fotos: Renate Weber-Zangrandi und Erich Kutzera