Besuch St. Antonius

Wunderwerk Orgel

Am 25.2.2026 fanden sich ungefähr fünfzig Ballettfreunde um 18.00 Uhr, also zu eher ungewohnten Zeit an einem außergewöhnlichen Ort zusammen. Unser „Programmdirektor“ Oliver Königsfeld hatte die ausgesprochen gute Idee, das Interesse der Ballettfreunde mithilfe von Markus Hinz, dem Organisten von St.Antonius einmal auf das faszinierende Instrument Orgel als Vorbereitung des dreiteiligen Ballettabends „Orgelpassion“ zu lenken. Markus Hinz, seit über 25 Jahren der Organist der katholischen Pfarrgemeinde St. Antonius St. Benediktus in Oberkassel, ist über die Grenzen der Gemeinde als besonderer Virtuose des faszinierenden Instruments bekannt. So nimmt es auch nicht Wunder, dass der neue dreiteilige Ballettabend «Orgelpassion» von seinen Interpretationen begleitet und musikalisch gestaltet wird.

Die Orgel in St. Antonius ist wirklich etwas ganz Besonderes, denn eigentlich besteht sie aus drei Orgeln, die zu einem wirklich beeindruckenden Klangerlebnis einladen. Über zehn Jahre wurde sie erneuert und ausgebaut. Die große, gut sichtbare Orgel die den Kirchenraum beherrscht, befindet sich, so wie man es gewohnt ist, auf der Empore. Eine weitere kleinere Orgel ist im Seitenschiff oder Chor untergebracht, sowie und das ist das Besondere gibt es das nicht sichtbare aber die ungeheure Klangfülle verdichtende Fernwerk, das 2018 im Turm installiert wurde.

Mit Hilfe einer kleinen Orgelpfeife erklärte Markus Hinz wie eine Orgel funktioniert. Hier gilt nun der Satz Maria Montessoris, dass man zwar alles über ein Instrument erklären kann und dass man, auch wenn man meint, alles verstanden zu haben, man dieses Instrument aber trotzdem nicht einer anderen Person erklären kann, geschweige denn spielen. So ähnlich erging es zumindest der Chronistin dieses Abends. Und da es noch schwieriger ist, über etwas zu berichten, was man „nur“ gehört hat, sollen an dieser Stelle nun die Bilder zeigen, was an einer Orgel so besonders ist. Für die bessere Sicht und Anschaulichkeit war der „Spieltisch“ diesmal vor dem Altar aufgebaut.

Er ist sozusagen die Regiezentrale, von der aus der Organist alle Klänge und Funktionen steuern kann, bei einer so modernen Orgel wie in St.Antonius ist das inzwischen auch computergesteuert. Wie man gut erkennen kann, befinden sich die Register, mit denen der Organist die Auswahl der Pfeifenreihen festlegt, links und rechts neben den Manualen und Pedalen. Apropos Orgelpfeifen: Diese funktionieren durch die gezielte Lenkung von Druckluft, die in Schwingung versetzt wird, um Töne zu erzeugen. Sie funktionieren im Prinzip wie Blockflöten, das heißt, die Luft strömt durch das Fußloch in den Pfeifenfuß und wird durch einen engen Spalt gegen eine scharfe Kante am Pfeifenmund geleitet, wo sich der Luftstrom bricht. Dieser Vorgang versetzt dann die ganze Luftsäule im Inneren der Pfeife in Schwingung, wodurch eine stehende Schallwelle entsteht. Je länger die Pfeife ist, umso tiefer ist der erzeugte Ton. Es gibt auch sogenannte Zungenpfeifen, die eher wie eine Klarinette funktionieren, wo der Ton mechanisch durch eine vibrierende Metallzunge erzeugt wird.

Nach diesen Erklärungen wurde die Klanggewaltigkeit der Orgel in St. Antonius demonstriert. Verschiedene Register auf der rechten Seite des Orgelspieltischs wurden eingestellt, und die erste Demonstration, was eine Orgel an Sound zu produzieren imstande ist, zeigte ein einfaches Crescendo, das für den ersten Wow-Effekt bei den Zuhörern sorgte. Und es sollten viele folgen, die Bandbreite ging vom Motiv der Zuckerfee aus dem Ballett der Nußknacker über kleinere Passagen des Orgelkonzertes von Francis Poulenc bis hin zu Passacaglia von Johann Sebastian Bach, die für die Choreographie „Aurea“ von Goyo Montero gewählt wurde. Die Ballettfreunde hatten wieder einmal das Privileg, exklusiv einem nur für sie ausgewählten Kunstgenuss beizuwohnen.

Im Anschluss an die eindrucksvollen Demonstrationen hatten die Ballettfreunde noch die Möglichkeit, den Spieltisch von Nahem zu bewundern und offen gebliebene Fragen zu stellen. Alle waren sich einig: es war wieder einmal eine ganz besondere Veranstaltung für die Ballettfreunde. Ein großer Dank geht an Oliver Königsfeld für die Idee und Organisation des Abends und an Markus Hinz für die zugewandte und überaus informative Aufklärung über das Wunderwerk Orgel.

Text: Renate Raeune; Fotos: Erich Kutzera