Blockbuster für die ganze Familie

Weihnachtszeit ist Ballettzeit

Die Weihnachtszeit ist die Zeit für Gefühle, für Familienfeste und für Veranstaltungen, die – vermeintlich oder wirklich – in die weihnachtliche Gefühlswelt passen. Und so holen die meisten Ballettcompagnien im Dezember die großen Blockbuster ins Programm. Ballett für die ganze Familie.

Schaut man sich um, so hat ein gewisser Herr Tschaikowsky das Rennen um die Gunst der BallettdirektorInnen und ChoreographInnen eindeutig gewonnen. Sein „Nussknacker“ wird zur Weihnachtszeit allein in London von drei Compagnien gezeigt: dem English National Ballet, dem Royal Ballet und dem Birmingham Royal Ballet in der Royal Albert Hall.

Auch die Häuser in Hamburg und München knacken Nüsse. Allerdings in der Version von John Neumeier. Das Stuttgarter Ballett zeigt die Fassung von Edward Clug. Wer sich über Weihnachten in den USA befindet, kann den „Nutcracker“ traditionsgemäß beim New York City Ballet genießen, choreographiert vom großen George Balanchine.

Das Ballett der Staatsoper Unter den Linden in Berlin hat sich für den „Schwanensee“ entschieden. Auch hier stammt die Musik von Herrn Tschaikoswky, der – wäre er ein zeitgenössischer Komponist – von den Tantiemen sehr gut leben könnte.

Das Ballett am Rhein führt zur Zeit bekanntlich Bridget Breiners „Dornröschen“ auf. Musik von – wem wohl? – Herrn Tschaikoswsky.

Da schon alle Vorstellungen restlos ausverkauft sind und einzelne Tickets nur noch an der Abendkasse ergattert werden können, empfehlen wir den Weg in das Theater Duisburg. Dort wird vom 18. Dezember 2025 bis zum 3. Januar 2026 Bridget Breiners Ballett Ruß aufgeführt, die moderne Version des „Aschenputtel“ im Umfeld des Ruhrgebiets.

In fünf Vorstellungen – empfohlen für alle ab 8 Jahren – wird das berühmte Märchen einmal anders erzählt: Bridget Breiner, Chefchoreographin des Ballett am Rhein, lenkt den Blick von Clara, dem Aschenputtel, zu Livia, ihrer Stiefschwester.

Unter den Machtspielen ihrer Mutter leidend, entdeckt Livia in Clara ihr Gegenstück. Bewunderung und Faszination schlagen in Eifersucht um. Die Geschichte folgt ihrem bekannten Lauf: Der von der Mutter für Livia auserwählte Prinz findet mit Clara die wahre Liebe. Doch Livia geht ihren eigenen Weg, befreit sich von den Zwängen ihrer Umwelt und nimmt ihr Leben selbst in die Hand. Vieles erscheint dadurch in einem anderen Licht. Neue Fragen werden an den alten Stoff gestellt – nicht zuletzt die, ob auch „das Böse“ möglicherweise eine Frage der Perspektive ist. Ruß schafft durch den neuen Fokus eine komplexere, jedoch auch menschlichere Lesart des klassischen Märchens jenseits von Schwarz und Weiß.

Bridget Breiners Handlungsballett wurde ursprünglich für das Ballett im Revier Gelsenkirchen entwickelt und erhielt 2013 den renommierten Theaterpreis DER FAUST als „Beste Choreographie“.

Ruß ist zwischen Ruhrgebiet und amerikanischer Bergbautradition angesiedelt – Bridget Breiner stammt aus dem vom Bergbau geprägten Ohio. Auch die musikalische Collage aus live gespieltem Akkordeon und Einspielungen spannt einen weiten Bogen von der farbenreichen Ballettmusik „Aschenbrödel“ von Johann Strauss über US-amerikanische Bergarbeiter- und Protestlieder von Woody Guthrie, Hazel Dickens, Nina Simone und Sarah Ogan Gunning bis zu zeitgenössischen Kompositionen.

Die Vorstellung dauert 1¾ Stunden einschließlich Pause.

Die Termine:
18.12. 19:30
21.12. 15:00
21.12. 19:00
28.12. 18;30
03.01. 19:30

Text: Axel Weiss, Deutsche Oper am Rhein; Fotos: Ingo Schäfer (3), Altin Kaftira (1)